Erfahrungsbericht 34d-Prüfung als Quereinsteigerin
Ein Teilnehmerbericht zur IHK-Sachkundeprüfung nach § 34d GewO, ungekürzt und in eigenen Worten. Die Verfasserin hat sich nicht mit dem Wiprax-Kurs vorbereitet. Wir veröffentlichen ihren Bericht dennoch, weil dieser Ratgeber neutral informieren soll: Er zeigt genau, welcher Aufwand hinter der Prüfung steckt und wie der Prüfungstag abläuft.
Dieser Bericht stammt von einer Teilnehmerin und gibt ihre persönliche Erfahrung wieder. Prüfungsabläufe, Fallvorgaben und Termine können je nach IHK abweichen – verbindlich sind ausschließlich die Angaben Ihrer zuständigen IHK.
Ausgangslage
Ich habe mich im Jahr 2025 auf die §34d-Sachkundeprüfung nach GewO zur Versicherungsvertreterin ausgebildet. Ich war komplette Quereinsteigerin mit kaum Vorwissen. Mein Vorwissen beschränkte sich auf allgemeine Informationen wie, dass die Rente niedriger ist als das Netto, dass der Krankenkassengrundbeitrag bei etwa 16% liegt und dass gewisse Versicherungen, wie beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder auch eine Haftpflichtversicherung für so gut wie alle Menschen sinnvoll sind.
Mit diesem doch spärlichen Grundwissen begann ich im Juli 2025. Dort war mir bereits bekannt, dass ich im September in die Prüfung gehen sollte. Damit hatte ich effektiv 11 Wochen Zeit für die Vorbereitung von denen noch einiges wegen längerer Krankheit, Urlaub und weiteren Verpflichtungen wegfiel. Rückblickend blieben damit etwa 8 Wochen übrig. Ich machte die Prüfung auch nicht unbedingt aus großem eigenem Interesse, sondern als Erweiterung meiner Kompetenzen für das Familienunternehmen meines Vaters und als rechtliche Absicherung für den Fall, dass ich für eben meinen Vater bei längerer Krankheit das Unternehmen weiterführen könnte.
Besonders der Anfang fiel mir sehr schwer. Die Informationen haben mich regelrecht erschlagen und mir ist die Schwerpunktsetzung schwergefallen. Daher bewegten sich die ersten Tage nur darum erst einmal einen Überblick zu bekommen. Ich begann mit den Sachversicherungen. Themen wie die Kfz-Versicherung, Hausrat oder auch die Wohngebäudeversicherung gingen mir leichter von der Hand. Die Einschlüsse, Ausschlüsse, Werte und Rechnungen ergaben sich für mich recht schlüssig. Dem entgegen kämpfte ich mit der Rechtsschutzversicherung. Für mich stellte es sich überraschend schwer heraus dieses Thema zu bearbeiten. Den ersten Monat verbrachte ich also in den Sachversicherungen und begann auch hier bereits mir kurze Übersichten zu gestalten, um das Wissen etwas lockerer aufzubereiten. Immer wieder hatte ich Phasen, in denen mir die Motivation fehlte und sich das Lernen zunehmend schwer anfühlte. Rückblickend hätte ich hier gerne schon angefangen auch mit den Vorbereitungsfragen auf BrainYoo zu arbeiten, auch um das Wissen bereits auf Fragen anwenden zu können. So hätte ich schneller erkannt, wo bei mir noch die größten Lücken lagen. Stattdessen begann ich mit den Vorsorgethemen, da der Prüfungstermin Mitte September bedrohlich nah rückte. Ich wusste bereits, dass mir die rechtlichen Grundlagen wohl am schwersten fallen werden. Ich begann also, um die Motivation möglichst hochzuhalten, zunächst mit der gesetzlichen Versorgung, welche mir recht einfach von der Hand gingen. Etwas mehr Probleme hatte ich mit der betrieblichen Altersvorsorge, wodurch ich hier mehr Zeit brauchte das Thema zu verstehen. Ähnlich stellte es sich bei der Pflegeversicherung dar. Die private Vorsorge, Unfallversicherung und Krankenversicherung wiederum erklärten sich für mich quasi von selbst.
Die Vorbereitung
Wie erwartet hatte ich die größten Probleme mit dem Themenfeld „rechtliche Grundlagen“. Es half mir hier mit den Vorbereitungsfragen zu lernen. Ich wählte auf BrainYoo nur die Fragen zu den rechtlichen Grundlagen an und beantwortete, welche ich wusste. Bei Fragen wo ich mir unsicher war oder gar keine Idee hatte, las ich mir die Erklärungen durch und schaute mir dahingehend das Material an. Dadurch konnte ich das Wissen viel besser einordnen und für mich sortieren. Folgend begann ich auch die weiteren Vorbereitungsfragen zu den anderen Themen zu üben und mich somit an das Fragenformat zu gewöhnen.
Zunächst war es ehrlicherweise sehr frustrierend mit den Vorbereitungsfragen zu lernen. Jede zweite Frage hatte ich falsch. Besonders die Multiple-Choice-Fragen mit mehreren richtigen Antworten bereiteten mir Bauchschmerzen, denn hier kreuzte ich entweder falsche Antworten mit an oder hielt richtige Antworten für falsch. Die Ungewissheit wie viele Antworten tatsächlich richtig waren führte bei mir zu vermehrt falschen Antworten.
Ich hatte das Glück, dass meine mündliche Prüfung erst für 12 Tage nach meiner schriftlichen Prüfung angesetzt war. Ein Umstand der eher untypisch ist. Dadurch musste ich mich vor der schriftlichen Prüfung tatsächlich nur auf diese konzentrieren und konnte die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung auf nach der schriftlichen Prüfung verschieben.
Die schriftliche Prüfung
Bereits eine Woche vor der schriftlichen Prüfung machte sich bei mir Aufregung und Unsicherheit breit. Ich hatte zwar viel gelernt, dennoch gab es immer noch Themen, wo ich noch Wissenslücken hatte. Ich ging mit Aufregung, Anspannung und hoher Nervosität in die schriftliche Prüfung. In solchen Prüfungssituationen kann ich meist nicht wirklich etwas davor essen. Ein Tipp, sollte es dir auch so gehen: Salzstangen. Die gehen bei mir auch in solchen Situationen und sind wenigstens etwas im Magen.
Bei den ersten Fragen in der Prüfung wusste ich direkt was die richtigen Antworten sind, was mit etwas Zuversicht und Ruhe verschaffte. Der Vorsorgeteil verlief recht okay, sodass ich positiv in den Sachteil ging. Hier waren die Fragen in meinem Empfinden deutlich komplizierter gestellt, sodass ich teilweise kurze Probleme hatte das Wissen, welches ich eigentlich hatte, auch sinnvoll auf die Fragen anzuwenden. Hier war mein Gefühl nach der Prüfung deutlich schlechter. Dennoch bestand ich die schriftliche Prüfung sicher im ersten Versuch. Damit ging es nun Richtung mündliche Prüfung.
Normalerweise finden die mündlichen Prüfungen am nächsten Tag, manchmal noch am selben Tag wie die schriftliche Prüfung statt. Hier hatte ich eine sehr glückliche Situation, dass ich noch 12 Tage bis zu meiner mündlichen Prüfung hatte.
Die mündliche Prüfung
Grundsätzlich lief die mündliche Prüfung wie folgt ab; zuerst wurde ich in den Prüfungsraum gebeten, wo ich über die Prüfung belehrt wurde und unterschreiben musste. Dann durfte ich aus drei verdeckten Prüfungsfällen einen wählen, heißt der Prüfungsfall wird nicht direkt vorgegeben, sondern man wählt verdeckt einen aus drei. Danach wurde ich in einen anderen Raum gebracht, wo ich 20 min. Zeit hatte mich vorzubereiten. Hier trug ich in meine Beratungsdokumentation bereits alle Informationen ein, welche ich aus der Fallvorgabe ziehen konnte. Außerdem sortierte ich meine Beratungsmappe bereits nach den sinnvollen Versicherungen für diesen Fall. Ich wurde im Fall 11 geprüft, ein alleinerziehender Vater von einem Kind. Hier entschied ich, dass wahrscheinlich eine BU und eine Lebensversicherung sinnvoll zuerst wären. Die anderen Berechnungen für die anderen Versicherungen sortierte ich weiter nach hinten in meinen Ordner. Nach ca. 20 min. wurde ich wieder aus dem Vorbereitungsraum abgeholt und in den Prüfungsraum zurückgebracht. Hier durfte ich mir Zeit nehmen meine Unterlagen auf dem Tisch zu organisieren. Es wurde mir deutlich gemacht, dass ich das wirklich in Ruhe machen darf und mich nicht stressen soll. Die Prüfung begann, sobald ich begann mich vorzustellen. Ich habe zuvor mir kurz einige Sekunden genommen, um nochmal tief durchzuatmen. Dann begann das Gespräch, auf das ich mich zuvor ja vorbereitet hatte.
Ich wählte für die Prüfung den Vorsorgeteil als das Thema meiner mündlichen Prüfung. Alternativ hätte ich auch Sachversicherungen vermitteln können, jedoch lag mir der Vorsorgeteil mehr und ich fühlte mich hier sicherer. Ich schaute mir für die Vorbereitung die Beispielgespräche an und begann damit meine Beratungsmappe zusammenzustellen. Ich schaute mir genau an, wie die einzelnen Versorgungslücken zu berechnen sind. Im Verlauf merkte ich, dass einzelnes von dem Material für mich nicht ganz optimal war, und ich entschied mich, in starker Anlehnung an das Material, mein eigenes zu erstellen. So erstellte ich meinen eigenen Beratungsbogen, meine eigenen Übersichten, um die Versorgungslücken im Leben des Kunden zu verdeutlichen und meine eigenen Berechnungsübersichten.
Besonders hilfreich war es für mich, mir meine Vorstellung sehr genau in einer Tabelle vorzubereiten. Eine Spalte ließ ich frei, um während der Prüfung abhaken zu können welche Punkte ich angesprochen hatte. Durch diese sehr genau formulierten Stichpunkte hatte ich die Sicherheit zumindest erstmal durch die Vorstellung ganz gut zu kommen. Das half mir in der Prüfung anzukommen und runterzukommen. Ich merkte, dass ich dadurch extrem viel Sicherheit gewann und sicherer für die nächsten Schritte wurde. Die Beratungsdokumentation, also die Datenaufnahme mit dem Kunden erstellte ich auch neu für mich angepasst. Dadurch wusste ich genau, wo welche Informationen zu finden waren und konnte mich sicherer durch diesen Schritt navigieren. Außerdem schrieb ich mir auch immer mal dazwischen, dass ich den Kunden frage, ob er Fragen hat oder das für ihn so weit passt oder er Fragen habe, um diese Schritte in der Aufregung nicht zu vergessen. Ich musste besonders die Überleitungen üben. Ich merkte in den Probeläufen mit meiner Familie und meinen Freunden, dass ich bei den Übergängen häufig einen Blackout hatte und nicht mehr wusste, wie ich weitermachen sollte. Daher habe ich mir unten auf meine Seiten je einen Einleitungssatz für den nächsten Schritt geschrieben, um für den Fall eines Blackouts diesen als Sicherheit zu haben.
Bei den Berechnungen habe ich besonders darauf geachtet, dass ich den Kunden mitnehme in der Berechnung durch Sätze wie „schauen Sie mal hier, ich rechne Ihnen das hier einmal vor“ oder „wir berechnen das hier mal zusammen“. Solche oder ähnliche Sätze kamen bei den Prüfern gut an. Außerdem gewann ich dadurch, dass ich es dem Kunden vorrechnete und dabei erklärte, etwas Zeit, um die Rechnung sicher und langsam durchzugehen. Hätte ich das allein schnell gerechnet, wäre wahrscheinlich eine kurze Pause der Stille entstanden, welche bei mir Unsicherheit und Stress ausgelöst hätten. Im schlechtesten Fall hätte ich mich dadurch dann verrechnet. Durch das Erklären ist mir auch aufgefallen, dass ich zunächst die Lebensversicherung mit dem Monatsgehalt nach der DIN-Norm berechnen wollte, wo ich hierfür eigentlich das Jahresnettoeinkommen brauchte. Während des Erklärens ist mir dieser Fehler noch aufgefallen und ich konnte das kurz korrigieren. Hier sagte ich auch ehrlich, dass ich fälschlicherweise vom monatlichen Netto ausgegangen war, obwohl ich eigentlich das Jahresnetto nutzen müsste. Ich habe das dann kurz korrigiert, einen Spaß gemacht, dass der Betrag mit dem monatlichen Netto auch etwas gering wäre und habe weitergemacht. Dieser kurze Fehler wurde mir nicht negativ angelegt und war für die Bewertung später nicht signifikant.
Generell zeigen die Prüfer nach der Hälfte der Zeit einen Zettel o.Ä. als Zeichen für den Prüfer, der den Kunden spielt, hoch. Hieran kann man sich auch ein bisschen orientieren, um kurz eine zeitliche Einschätzung zu haben. Außerdem wird nach 15 min., also 5 min. vor Schluss manchmal nochmals ein kurzes Zeichen gegeben. Ich habe mir meine eigene Armbanduhr mit in die Prüfung genommen und auf den Tisch gelegt. Ich kann nur sehr stark betonen, dass die Zeit mein größtes Problem war und es wirklich wichtig ist beim Lernen und Üben auch die Zeit zu stoppen.
Zusätzlich fiel mir mein Taschenrechner während der Prüfung kurz auseinander, als ich gerade anfangen wollte meine Berechnungen zu machen. Auch das überspielte ich mit einem kurzen Kommentar, dass die Technik an diesem Tag wohl auch noch müde wäre. Auch das wurde mir wohl nicht schlecht ausgelegt. Ich betone hier besonders die Situationen, in denen etwas nicht ganz glattgelaufen ist, um zu verdeutlichen, dass mir auch kleine Fehler unterlaufen sind, ich aber trotzdem die mündliche Prüfung im ersten Versuch bestand. Technische Probleme können immer auftreten und man kann auch immer in der Zeile vom Jahresnetto ins Monatsnetto aus Versehen verrutschen. Solange Fehler korrigiert werden, hatte ich nicht den Eindruck, dass diese ein nachhaltiges Problem darstellten. Nach der mündlichen Prüfung musste ich kurz (ca. 10 min) draußen auf meine Bewertung warten. Danach habe ich die frohe Nachricht erhalten.
Rückblickend hat meine Vorbereitung wie ich sie gestaltet habe gut funktioniert, auch wenn ich zwischendurch daran gezweifelt habe, ob ich das in der Zeit wirklich schaffe. Im Nachhinein hätte ich lediglich gerne früher mit den Vorbereitungsfragen angefangen, da mir diese viel besser meine Lern- und Verständnislücken aufgezeigt haben.
Rückblick
Zum Schluss noch zu einigen Daten:
Der Zeitaufwand in Zahlen
Ich habe mich ca. 8 Wochen auf die schriftliche Prüfung vorbereitet. Auf die mündliche Prüfung konnte ich mich nicht die vollen 12 Tage erneut wegen Krankheit vorbereiten, daher konnte ich nur 6 Tage nutzen. In Stunden stellte sich das wie folgt dar:
Für die schriftliche Prüfung habe ich insg. etwa 190 Stunden (60min Stunden) investiert. Das inkludiert alles von lesen, über lernen, über die Vorbereitungsfragen, Wiederholungen, etc.
Für die mündliche Prüfung habe ich etwa 30 Stunden (60min Stunden) investiert. Das inkludiert das mehrfache(!) anschauen des Beispielprüfungsgespräches, die Vorbereitung meiner Beratungsmappe, die Erstellung meines eigenen Materials und das mehrfache(!) Durchsprechen und Üben der Prüfung und immer wieder Anpassung des Materials.
Insgesamt hat mir die Vorbereitung also etwa 220 Stunden, somit 5,5 Wochen in Vollzeit (40h Woche) abverlangt. Ich habe pro Woche etwa 20 bis 25 Stunden an der Vorbereitung in Durchschnitt gearbeitet. Die Vorbereitung in beispielsweise 6 Wochen Vollzeit kann ich nicht empfehlen. Ich hatte bei 4-5 Stunden am Tag lernen bereits Probleme alles aufzunehmen, zu verarbeiten und mit dann noch zu merken. Ich hätte mir nicht vorstellen können 6 Wochen lang jeden Tag 8 Stunden zu lernen und zu üben. Daher würde ich den Lernprozess lieber etwas länger strecken, dafür aber weniger erschöpft vom Lernen sein.